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Studie: Definition und Messung der thermisch-energetischen Sanierungsrate in Österreich

Die im Regierungsprogramm angestrebte Sanierungsrate von jährlich 3 % bedeutet mehr als eine Verdoppelung des heutigen Niveaus (momentan 1,4 %, die niedrigste Rate seit 10 Jahren!). Erste Voraussetzung für die Zielerreichung ist eine präzise Definition der Sanierungsrate und die Schaffung einer Methodik zur zuverlässigen Messung. Beides wird mit einer Studie des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) vorgelegt.

Konkret werden
Seit zwei Jahrzehnten beinhalten Regierungsdokumente Ziele für Sanierungsraten – allerdings ohne diese näher zu definieren. Häufig wurden bei der Sanierungsrate nur geförderte umfassende Sanierungen berücksichtigt, nicht aber Einzelmaßnahmen. Diese Studie schlägt eine Neudefinition vor.

 

1. Definition

Projektziel war die Findung von konsensfähigen Definitionen, basierend auf einer einfachen und nachvollziehbaren Methode. Die Sanierungsrate soll zuverlässig messbar, sektoral und regional aufschlüsselbar und mit bestehenden rechtlichen Regelungen kompatibel sein. Sie soll alle thermisch relevanten Maßnahmen berücksichtigen und möglichst zeitnahe Analysen der Auswirkungen neuer Politikinstrumente zulassen.

Aufgrund dieser Anforderungen wird folgende Formel vorgeschlagen: im Zähler die Summe umfassender thermisch-energetischer Sanierungen sowie kumulierter Einzelmaßnahmen (je 4 Einzelmaßnahmen ergeben ein umfassendes Sanierungsäquivalent); im Nenner der Gesamtbestand an Wohnungen im jeweiligen Segment. Die Berücksichtigung von Einzelmaßnahmen ist insbesondere deshalb gerechtfertigt, weil auch sie maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele beitragen. Die Bezugnahme auf den Gesamtbestand an Wohnungen resultiert aus dessen klarer statistischer Basis.

 

2. Studienergebnisse

Geförderte Sanierungen mit Höhepunkt 2009
Die Sanierung innerhalb der Wohnbauförderung erreichte 2009 eine Sanierungsrate von 1,8 %. Seither sind geförderte Sanierungen kontinuierlich rückläufig und erreichten 2018 eine Rate von nur noch 0,5 %.

Ungeförderte Sanierungen mit gegenläufigem Trend
Rückläufige Förderungsaktivitäten führten zu einer Verlagerung zu „Einzelsanierungen aus dem Baumarkt“. Zwischen 2009 und 2012 stiegen ungeförderte Sanierungen von 0,4 % auf fast 1,0 % und blieben seither auf etwa diesem Niveau. Es ist den verschiedenen Förderungsmodellen offenbar nur unzureichend gelungen, diese Investitionsbereitschaft „einzufangen“ und in umfassende Maßnahmen umzulenken.

Gesamtsanierungsrate sank von 2,1 % auf 1,4 %

Hoher Sanierungsbedarf in allen Bestandssegmenten
Zur Erreichung einer vollständigen thermisch-energetischen Ertüchtigung des Wohnungsbestands bis 2040 muss die Sanierungsrate (umfassende Sanierungen und kumulierte Einzelmaßnahmen) kurzfristig auf 2,6 % und ab 2025 auf 3,2 % erhöht werden.

 

Die 38-seitige Studie zum Download finden Sie weiter unten (1,5 MB) oder direkt auf der Seite des IIBW.

 

Die Autoren der Studie:

  • DI Alexander Storch, Umweltbundesamt
  • Mag. Wolfgang Schieder, Umweltbundesamt
  • IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen GmbH

 

Erstellt wurde die Studie um Auftrag folgender Verbände:

  • FBI – Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie
  • GDI 2050 – Gebäudehülle+Dämmstoff Industrie 2050
  • WKO – Fachverband der Stein- und keramischen Industrie
  • ZIB – Zentralverband industrieller Bauproduktehersteller

 

Diese Studie wurde zeitgleich mit folgender Studie publiziert: "Steuerliche Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Wohnungssektors".

 

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  • Sanierung Lobmeyrhof; Sieger ETHOUSE Award 2018; Foto: GSD
Sanierung Lobmeyrhof; Sieger ETHOUSE Award 2018; Foto: GSD
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